MUDCRUTCH „2“



 

Hier ist sie also, die TOM PETTY-Platte, auf die man seit den Traveling Wilburys-Tagen und "Into The Great Wide Open" gewartet hat. Acht Jahre sind seit dem Debut von MUDCRUTCH, den Vorgängern von TOM PETTYs Heartbreakers, ins Land gezogen. Nun haben TOM PETTY, die Gitarristen Tom Leadon und Mike Campbell, sowie Schlagzeuger Randall Marsh nachgelegt. Zu eben genannten Gründungsmitglieder hat sich noch Keyboarder Benmont Tench von den Heartbreakers dazugesellt.  Und ja, man hat richtig gelesen. Tom Petty hat für MUDCRUTCH „2“ auf den Bass gewechselt, und überlässt es seinen beiden Mitstreitern an der Sechsaitigen, den Amps bröselnden Crunch zu entlocken.



Seit "Highway Companion" klang Tom Petty nicht mehr so lebensbejahend. Tracks wie „Beautiful World“ klingen dabei schon fast wie Hohn. Ist man doch stets versucht, ihn der versteckten Ironie zu überführen. Aber das hieße TOM PETTY Unrecht zu tun. Hier sind wahre Meister ihres Fachs am Werk. Das Album atmet Nostalgie aus jeder Pore, und zieht einen Bogen von Rockabilly (“Welcome to Hell”), Bob Dylan-inspiriertem Folk Rock (“Victim of Circumstance” und „I Forgive it All“,) bis zu klassischem Roots-Rock (“Trailer” und “Dreams of Flying”).



MUDCRUTCH „2“ ist eine verdammt erwachsene Platte geworden. Petty und seine Mitstreiter tauchen textlich tief in den Ozean der Erinnerungen ein, und besingen jene Orte, die wir vielleicht bereist hätten, wären wir im Leben anders abgebogen. Großes Album mit umwerfender, klassischer Instrumentierung. Und eine wahre Fundgrube an klassischen Americana-Gitarrenparts. Top!

 



Erscheinungsdatum: 20. Mai 2016
Label: Warner Bros. Records (Warner)

Tracklist

1. Trailer
2. Dreams of Flying
3. Beautiful Blue
4. Beautiful World
5. I Forgive It All
6. The Other Side of the Mountain
7. Hope
8.  Welcome to Hell
9. Save Your Water
10. Victim of Circumstance
11. Hungry No More

www.mudcrutchmusic.com

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MONSTER TRUCK "Sittin' Heavy"




Was SLASH in höchsten Tönen lobt, kann nicht schlecht, und erst recht kein Geheimtipp mehr sein. Wer den Vierer bereits im März 2014 im Wiener Chelsea live erleben durfte, wusste, dass hier ein heißes Hard Rock Eisen geschmiedet wird.

Nach ihrem Debut "Furiosity" aus dem Jahre 2013, meldet sich die Band rund um Gitarrist Jeremy Widerman und Sänger und Bassist Jon Harvey nun mit ihrem zweiten Album „Sittin’ Heavy“ zurück. Mit dem neuen Album im Gepäck enterten die Kanadier MONSTER TRUCK heuer das ROCK IN VIENNA Festival. Zwar „nur“ auf der kleinen Bühne, aber die große Zahl an Besuchern, die an diesem sonnigen Nachmittag ihren Weg vor die Jolly Roger Bühne finden sollte, legte eindrucksvoll Zeugnis davon ab, dass die Jungs aus Ontario auch hierzulande längst keine Unbekannten mehr sind. Untermauert wird dies nicht zuletzt auch durch sehr gute Chartplatzierungen in einigen europäischen Ländern.


„Sittin’ Heavy“ bietet schnörkellosen Stoner und Vintage Rock. Mit mächtig Dreck unter den Fingernägeln wird hier ganz im Stile von Bands wie den RIVAL SONS und BLACK STONE CHERRY unprätentiös gerockt, als gäbe es kein Morgen.

Als Anspieltipps seien der Opener „Why Are You Not Rocking?“ und das eingängige „Don't Tell Me How To Live“ empfohlen. Wer hier sitzen bleibt, ist selbst Schuld.  „Sittin’ Heavy“ ist erdige Hardrock-Kost, und der perfekte Soundtrack für Überlandfahrten mit offenem Verdeck (wenn man denn so etwas sein Eigen nennen darf). Besonders begeistern kann Widermans schnörkelloses Spiel, das ohne technischen Firlefanz auskommt, und mit seiner dreckigen Attitüde Lust macht, die verstaubte SG aus dem Koffer zu holen. Klarer Fall von All Killer No Filler. Rock ’n’ Roll, wie er sein soll!

 



Erscheinungsdatum: 19. Februar 2016
Label: Mascot Label Group (rough trade)

Tracklist

1. Why Are You Not Rocking?
2. Don't Tell Me How To Live
3. She's a Witch
4. For The People
5. Black Forest
6. Another Man's Shoes
7. Things Get Better
8. The Enforcer
9.  To The Flame
10.  New Soul
11. Enjoy the Time

http://ilovemonstertruck.com/

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DEATH ANGEL "The Evil Divide"



Für viele bereits das Metal-Album des Jahres, knallt uns die US-amerikanische Thrash-Metal-Band - fast muss man schon sagen „Legende“, aber dazu sind sie wohl noch zu jung - aus der San Francisco Bay Area einen beachtlich kompakten Wutklumpen vor den Latz. "The Evil Divide" steht seinem im Jahr 2013 erschienen Vorgänger „The Dream Calls for Blood“ in nichts nach, und nickt mit seinem Riffgewitter dabei kräftig in Richtung Vergangenheit.



Die beiden Gitarren-Pistoleros Rob Cavestany und Ted Aguilar führen auf "The Evil Divide" einmal mehr eine der feinsten Thrash-Klingen, die das Genre zu bieten hat. Seit jeher im Schatten ihrer kommerziell weit erfolgreicheren Bay Area Kollegen stehend, wird sich auch mit Studioalbum Nummer Acht nichts am informellen Status der Thrash-Giganten ändern. Dennoch ist und bleibt der Fünfer mit seiner Konstanz und Zielstrebigkeit eine der authentischsten Bands des Genres.



Hervorheben wollen wir an dieser Stelle die fantastische Produktion, die die zehn neuen Songs zu einem wahren Hörerlebnis macht. Es treibt einem die Freudentränen in die Augen, mit welchem Elan Rob und Ted auf Songs wie „Father of Lies“ und „Hatred United / United Hate“ nach vorne rocken. So eine Energie würde manch jüngerer Band gut zu Gesicht stehen.

 

Bärenstarkes Album mit Suchtfaktor. Wir freuen uns schon mächtig auf die nächste Europa-Tournee. Beide Daumen hoch!

 



Erscheinungsdatum: 27. Mai 2016
Label: Nuclear Blast (Warner)

1. The Moth
2. Cause for Alarm
3. Lost
4. Father of Lies
5. Hell to Pay
6. It Can't Be This
7. Hatred United / United Hate
8. Breakaway
9. The Electric Cell
10. Let the Pieces Fall

http://www.deathangel.us/

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PAUL GILBERT „I Can Destroy“






Nun also endlich auch in Europa: PAUL GILBERTs Solo-Album Nummer 17 "I Can Destroy" ist nach seinem Release in Japan im Jahr 2015 nun auch in unseren Breitengraden offiziell erhältlich. Auch wenn Gilbert von sich selbst sagt, auf seinem neuen Solo-Meisterwerk seinen misanthropischen Tendenzen freien Lauf gelassen zu haben, so kaufen wir ihm das nicht ganz ab.



Produziert wurde "I Can Destroy" von Kevin "The Caveman" Shirley, mit dem Gilbert schon während MR BIG Zeiten zusammengearbeitet, und Acts wie IRON MAIDEN, DREAM THEATER oder JOE BONAMASSA den letzten Schliff verpasst hat. Als ob Gilbert dies nötig hätte, hat sich der Musiker noch Unterstützung von Freddie Nelson und Tony Spinner an Gitarre und Vocals geholt. Die Tieftonparts hat Kevin Chown übernommen, und am Schlagzeugschemel rockt der Österreicher Thomas Lang mit Energie und Emotion kräftig nach vorne.



Die Marschrichtung ist spätestens seit dem 2014 veröffentlichten "Stone Pushing Uphill Man" klar: Gilbert verabschiedet sich zunehmend von rein instrumentalen Kompositionen und legt Wert auf klassische, vom Gesang getragene Songs. Angesprochen auf den Album-Titel meinte der Ausnahmekönner, dass er dabei vor allem an seinen kleinen Sohn gedacht hat, dies aber durchaus auch der (destruktiven) Energie eines JIMI HENDRIX oder PETE TOWNSHEND Tribut zollen würde. Überhaupt ist es die ultimative Reverse-Engeneering Hymne geworden. Augenzwinkernd zieht sich GILBERTs ausgeprägter Sinn für Humor durch das ganze Album. "I am not the one (who wants to be with you)" - nimm das, MR BIG - oder der Opener "Everbody Use Their Goddamn Turn Signal" beispielsweise. Mit letzterem spricht uns Gilbert aus der Seele, und es würde verwundern, hätte Gilbert dabei nicht nur an undisziplinierte Verkehrsteilnehmer, sondern auch Geisterfahrer anderer sozialer Habitate gedacht.



Bei allem Augenmerk auf den Gesang strotzen die Tracks nur so vor amtlichen Gitarrenparts aller Beteiligten. Und obgleich an vielen Stellen oftmals sogar drei Gitarristen ihr Unwesen treiben, bleibt die musikalische Darbietung immer klar strukturiert und kann vom Verdacht der exhibitionistischen Selbstdarstellung freigesprochen werden.


"I Can Destroy" macht mächtig Laune. Uns begeistert vor allem die energiegeladene Atmosphäre der Nummern. Es darf davon ausgegangen werden, dass diese live gewaltig zünden werden. Mit seinen dreizehn fetzigen Songs empfiehlt sich "I Can Destroy" als Soundtrack nicht nur für Autofahrer, sondern alle anderen musikliebhabenden "Verkehrsteilnehmer" des täglichen Lebens. Wir schließen daher mit GILBERTs Worten: "Blues Just Saving My Life", was durchaus wörtlich interpretiert werden darf. Hoffentlich schon bald auf heimischen Bühnen!

 



Erscheinungsdatum: 27. Mai 2016
Label: Earmusic (Edel)

 

Tracklist


1. Everybody Use Your Goddamn Turn Signal
2. I Can Destroy
3. Knocking on a Locked Door
4. One Woman Too Many
5. Woman Stop
6. Gonna Make You Love Me
7. I Am Not the One (Who Wants to Be with You)
8. Blues Just Saving My Life
9. Make It (If We Try)
10. Love We Had
11. I Will Be Remembered
12. Adventure and Trouble
13. Great White Buffalo (Bonus Track)

www.paulgilbert.com

 

 

HAKEN „Affinity“



HAKEN hatte man als geneigter Fan der progressiven Spielarten schon seit jeher auf dem Radar. Spätestens seit dem im Jahre 2013 erschienen „The Mountain“ war es nur eine Frage der Zeit, bis das Sextett einen Genre-Volltreffer landen würde. Nun, mit „Affinity“ kann man ruhigen Gewissens verkünden, dass dies der Truppe rund um Gitarrist Charles Griffiths mit ihrem Ende April erschienen vierten Album eindrucksvoll gelungen ist.



Allen in den 80er-Jahren musiksozialisierten Hörern wird „Affinity“ der Londoner Progressive Rock Band sofort ins Ohr gehen. Griffith meinte zum Entstehungsprozess, dass bei der Komposition und Produktion, bei der übrigens Jens Bogren (OPETH, KATATONIA) seine Finger an den Reglern hatte, die Sounds von Genre-Klassikern wie ´90125´ (YES), ´Toto IV´ oder DiColas Sountrack zu ´Transformers - The Movie´ Pate standen. Und kein Track verkörpert diese Hommage besser als das – nomen est omen – umwerfend musikalisch-intertextuell umgesetzte „1985“. 


HAKEN gelingt dabei wie kaum einer anderen Band ihres Metiers Vorbilder und Einflüsse wie GENTLE GIANT, YES oder KING CRIMSON in ein modernes, zeitloses Gewand zu verpacken und in ihren eigenen Stil zu übersetzen. Ausgefeilte Harmoniefolgen, beeindruckende Instrumentalpassagen und anspruchsvolle Texte laden zum Eintauchen in ein musikalisch in sich schlüssiges Musik-Universum ein. Besonders hervorzuheben ist dabei das grandiose, über fünfzehn Minuten lange „The Architect“, bei dem Einar Solberg von den norwegischen LEPROUS als Gastsänger seine Aufwartung macht.



Jede Komposition ein Volltreffer. Auf rund neun Songs und einer Spielzeit von knapp über einer Stunde wird der Hörer durch ein musikalisches Wurmloch, vorbei an Roten Riesen und harmonisch-vertrackten Gravitationsfeldern geschleudert, die uns schwärmend immer wieder die Repeat-Taste drücken lassen. Engage!

 



Erscheinungsdatum: 29. April 2016
Label: Inside Outmusic (Sony Music)

1. affinity.exe [1:24]
2. Initiate [4:16]
3. 1985 [9:09]
4. Lapse [4:44]
5. The Architect [15:40]
6. Earthrise [4:48]
7. Red Giant [6:06]
8. The Endless Knot [5:50]
9. Bound By Gravity [9:29]

www.hakenmusic.com