BLACK SABBATH 13




Eines der lang- und heißersehntesten Alben der letzten Jahre liegt nunmehr vor. Schlicht „13“ betitelt, dokumentiert der Longplayer auch 2013 die übermächtige Relevanz der Band und legt Zeugnis über das Können der Godfathers of Heavy Metal ab. BLACK SABBATH melden ihren Anspruch als Grandseigneure an und zeigen ihren Epigonen, die gerade zuletzt im Zuge der Occult/PsychedelicRetro-Rock-Welle zuhauf an die Oberfläche gespült wurden, wer die Inventoren und Originale dieses Sounds sind. Welchen Stellenwert die schwarzen Herren immer noch haben, zeigt die Berichterstattung in den Feuilletons der großen Medien sowie der Run auf die Tickets der anstehenden Tournee.

Die Ereignisse der letzten Jahre dürfen als amtsbekannt vorausgesetzt werden. Ozzy Osbourne klamaukte sich, teils bemitleidet, teils belächelt, durch seine Familien-TV-Soap und blieb sonst mit teils zweifelhaften Liveauftritten im Gerede. Der schwarze Mann mit dem großen Kreuzanhänger, Tony Iommi verdingte sich bei HEAVEN & HELL und hatte zuletzt (erfolgreich) ein Krebsleiden zu bekämpfen. Überbasser und Textverantwortlicher Geezer Butler war zwischenzeitlich ebenfalls mit Ronnie James Dio, Iommi und Vinnie Appice mit HEAVEN & HELL unterwegs. Dass eine Reunion dieser Dimension nicht ohne Querelen und reibungslos von statten gehen konnte, beweist das Fehlen von Stammdrummer Bill Ward. Geld regiert bekanntlich die Welt und kolportierterweise war auch im Falle von BLACK SABBATH der schnöde Mammon Schuld daran, dass nur ¾ des Original-Line Ups am Start waren. Warum die Schlagzeuger-Wahl für die Albumproduktion schlussendlich ausgerechnet auf Brad Wilk (RAGE AGAINST THE MACHINE/AUDIOSLAVE) fiel, bleibt mir zwar schleierhaft, allerdings machte der Gute einen amtlichen Job auf „13“, da er es verstand, den urtümlichen Geist der Band zu atmen. Soviel sei festgehalten, altersmäßig bringt der Drummer auf den Promopics aber trotzdem einiges an Inhomogenität ins Gesamtbild.

Die Prämisse für die neue Platte lautete klar: „Back To The Roots“; will heißen man orienterte sich nicht am Ruf als Begründer des Heavy Metal, sondern griff die Ursprünge der Band samt den BluesRock-Reminiszenzen der späten 1960er auf. Und genau in dieser Tradition steht der Longplayer. Doomig walzt das Album mit „End Of The Beginning“ heran…Ozzy, der auf dem ersten Sabbath-Album seit „Never Say Die“ von 1978 singt, näselt und dehnt die Phrasen in seiner einzigartigen Manier, der fast 65jährige ist allerdings erstaunlich gut bei Stimme (wie viel hier im Studio nachgeholfen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis), während Wilk sanft die Becken streichelt und wuchtig auf die Toms drischt, bevor ein rollend-trabendes Gitarrenriff den endgültigen Kick-Off für das Album liefert. Der Einstieg in bester, alter BLACK SABBATH-Traditon ist mehr als gelungen. Ozzy lässt uns dann weiter „God Is Dead“ wissen. Über den variablen und verhaltenen, dennoch sehr präsenten Tieftönerlinien von Butler lässt Iommi seine kernigen, düsteren und lavaartigen Riffs thronen. Riff und Rhythmus von „Loner“ kommen einem sehr bekannt vor, die Nummer erweist sich aber als effektiver Riffer, packend, rhythmisch, cool. „Zeitgeist“ ist die ruhige, psychedelische Nummer im Stile von „Planet Caravan“, bevor das mächtige „Age Of Reason“ den Hörer wieder aus seiner Kontemplation reißt. Immer wieder veredelt Iommi die gefällig geschriebenen, ja einprägsam starken Nummern mit seinen Soli, wenngleich sein wahres Markenzeichen die überirdisch guten und tiefergelegten Doom-Riffs sind.

Unter der Ägide von Erfolgsproducer Rick Rubin (JOHNNY CASH, SLAYER uvm.) eingespielt, verfügt der Longplayer über eine amtlich fette Produktion. Rubin war wohl nicht nur wegen seiner Motivationskünste der richtige Mann für das Album, vor allem hat er mit seiner gewohnt schweren und trockenen, ja wuchtigen Produktion den Geist von BLACK SABBATH bestens heraufbeschworen und wird dem hohen Anspruch der Band mehr als gerecht. Das vergleichsweise moderne „Live Forever“ fügt sich in die trendig-fetzige StonerRock-Schiene ein, „Damaged Soul“ ist rückwärts gerichtet und zeigt, wie wichtig und stilprägend BLACK SABBATH für die Ausbildung der einzelnen Metal-(Sub-)genres waren. „Dear Father“, der Abschlußtrack, richtet sich schließlich noch gegen den Kindesmißbrauch im Klerus, bevor das Album sein fast klischeehaft-kitschiges Ende mit Regengeprassel, Donner und Kirchenglocken findet. Genau hier schließt sich folglich auch der unheilvolle Kreis, der mit dem Debutalbum von 1970 begonnen hatte. Das ganze Album über findet sich die perfekte Balance aus den liebevoll gepflegten Original-Trademarks und der nötigen Modernität in der Ausführung. Nur wahre Großmeister verfügen über diese Kunstfertigkeit, die man hier genießen darf. Diese Gratwanderung meistern Butler, Iommi und Osbourne blind und dürfen, ja müssen, das Wohlwollen jedes Rock- und Metalfans gewinnen, womit an „13“ für keinen ein Weg vorbeiführt.

Ihre epochalen Meisterwerke – und hier vor allem das Debutalbum – haben die verbliebenen drei Originalmitglieder bereits vor über 40 Jahren veröffentlicht. Die DIO-Jahre und auch der Rest hatte seine Glanzlichter, jedoch fokussierte sich zuletzt (genährt durch Liveauftritte) alles auf ein Studioalbum, welches nach einem gescheiterten Versuch Anfang des Jahrhunderts, nun das schwarze Tageslicht erblickt und einen wahren Hype entfacht. Eine Wertung abzugeben ist naturgemäß schwer, dass das Album in seiner Qualität wohl die meisten überraschen dürfte, muß festgestellt werden. Wo „13“ musikhistorisch und im gesamten Discographie-Kontext zu liegen kommt, kann wohl nur retrospektiv betrachtet werden. Ihr Platz ganz oben in der Musik- und Rockgeschichte ist den scheinbar unkaputtbaren Großmeistern sowieso sicher, dass den Fans ein solch exquisiter Tonträger geschenkt wurde, darf allerdings nicht zu gering geschätzt werden.

 

4.0 von 5.0 Punkten


Erscheinungsdatum: 7. Juni 2013)
Label: Mercury (Universal)

1. End Of The Beginning    
2. God Is Dead?    
3. Loner    
4. Zeitgeist    
5. Age Of Reason    
6. Live Forever    
7. Damaged Soul    
8. Dear Father    

www.blacksabbath.com