GERALD GRADWOHL – „Big Land“ Interview

Mit „Big Land“ hat der österreichische Gitarrist GERALD GRADWOHL eines der stärksten Alben seit Beginn seiner Karriere am Start. Bekannt durch seine Zusammenarbeit mit der mehrfach Grammy-nominierten Kultband TANGERINE DREAM, und dem im Dezember 2002 verstorbenen Saxophonisten BOB BERG, gehört GERALD GRADWOHL zu den Gitarristen der Alpenrepublik, die sich weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht haben. Wir interviewten Gerald und wollten von ihm wissen, wie er aufgenommen hat, was wir von der anstehenden Tour erwarten dürfen, und wie er die österreichische Musikszene sieht.

 

Lieber Gerald, Gratulation zum neuen Album „Big Land“. Was hat es mit dem Titel auf sich?


Vielen Dank. Der Titel der CD hat keine tiefsinnige Bedeutung, allerdings ist Track Nummer zehn - „The Big Land“ - eine kleine Widmung an MICHAEL LANDAU. Ich hatte dieses markante Riff, das mich eben an Landau erinnerte mit einem coolen, fetten Sound zuhause, welches auch so eine Tiefe und Weite hatte, und wollte irgendwie eine Verbindung zu Landau im Titel. Dieser sollte aber nicht so offenkundig sein... also eine versteckte Hommage – ist mir anscheinend gelungen;). Als ich dann einen Namen für die CD brauchte, dachte ich das wäre eine gute Idee. Außerdem ist dieses Stück immer ein Highlight bei unseren Konzerten gewesen.


Kannst du uns etwas über die Nummer „Wenn der Herrgott net Will“ erzählen?


„Herrgott“ ist ein Wienerlied, das ich eigentlich aus einem Hans Moser Film kenne. Vor einigen Jahren spielte ich in einem Gitarrentrio mit meinem ehemaligen Lehrer, der dieses Stück ins Repertoire brachte. Seit dieser Zeit spiele ich es auch in meiner Band, und die Leute lieben es! Irgendwie musste es mal auf CD kommen.


Mit dem Song „I Remember Berg“ setzt du Bob Berg, dessen letzte Einspielungen vor seinem Tod ja seine Aufnahmen auf deinem im Jahre 2003 erschienen Album „ABQ“ waren, ein musikalisches Denkmal. An was erinnerst du dich – jetzt, zehn Jahre nach Erscheinen des Albums – am besten?


Einerseits an die tollen Konzerte die wir mit Bob und meiner damaligen Band THREEO 1996 hatten. Hier war ich das erste Mal längere Zeit mit einem der „Top Player“ unterwegs, was eine meiner größten Erfahrungen war. Jeden Abend vor oder nach einem der besten Tenoristen unserer Zeit zu solieren, war schon was Besonderes! (Hätte auch schiefgehen können....)

Andererseits (erinnere ich mich) an seine Hilfe im Vorfeld und während der Aufnahmen zu ABQ in Santa Fe. Ich kannte ja damals Gary Willis und Kirk Covington nicht. Sie aber kannten Bob und wollten mit ihm spielen! Daher mussten sie auch mit mir Vorlieb nehmen (lacht). Mit der Zeit sind wir gute Freunde geworden. Sein Unfalltod kurz danach war ein schwerer Schock!


Bitte erzähl uns doch wie lange die Aufnahmen zum neuen Album gedauert haben?


Zweieinhalb Tage. Es ist bis auf ein paar wenige Sax Overdubs und 2 Rhythmusgitarren die ich im Nachhinein zuhause zusätzlich aufgenommen habe, alles live, gemeinsam im Studio eingespielt. 


Wenn man sich Nummern wie den Opener „Squier ‘78“ oder „R.U.O.K.“ anhört, dann kann man nur den Hut vor dem geilen Live Sound ziehen, den ihr da auf Tonträger gebannt habt. Bitte erzähl uns doch wie ihr aufgenommen habt?


Kirk, Harald  und Ich waren im selben Aufnahmeraum, wobei der Bass direkt aufgenommen wurde und meine Amp in einem Nebenraum platziert wurde. Thomas stand in der Regie, wir hatten aber guten Sichtkontakt um auf alle Zeichen gut reagieren zu können.


Dann haben wir von jedem Stück ein bis drei Takes gemacht. Zuhause habe ich diese dann durchgehört und musste eine Entscheidung treffen... war gar nicht einfach! Die Aufnahmen wurden übrigens im „Without Walls Studio“ in Wien gemacht, welches ich nur wärmstens empfehlen kann.


Welches Equipment kam diesmal zum Einsatz?


Da ich zu der Zeit noch nicht mit DV MARK  (meiner jetziger Amp Firma) zusammengearbeitet habe kam folgendes zum Einsatz:

Verstärker: Hughes & Kettner Puretone Top und eine Hughes&Kettner CC412 Box

Gitarren: Fender Strat Bj.1977, Fender Srat American Standard ’93, Yamaha Pacifica USA1

Effektpedale: Fulltone OCD, MXR Custom Badass 78 Distortion, Xotic RC Booster, Electro Harmonix Ring Thing, Arion Stereo Chorus, Fulltone Octafuzz, TC Electronic Nova System


Wenn ich richtig gesehen habe, verwendest du Saiten von Thomastik-Infeld. Was gefällt dir an den Saiten besonders?


Thomastik Infeld Saiten sind die einzigen die bei mir nicht während des 1. Gigs reissen....


In Kürze steht diene Tour an. Wieder mit dabei sind "alte Bekannte" wie Kirk Covington am Schlagzeug, Harry Weinkum am Bass und Thomas Kugi am Sax, mit denen du das neue Album ja auch eingespielt hast. Was schätzt du denn an dieser Formation? Was dürfen wir uns von den Live Shows erwarten (Kirk ist ja bekannt dafür, immer wieder mal auch das eine oder andere Stück am Klavier zu spielen, oder, so wie auf der neuen Platte, auch mal zum Mikro zu greifen)?


Kirk ist ein unglaublicher Musiker  - ein wahres Powerhouse mit einer Dynamik die ich so noch nicht erlebt habe. Er ist von der ersten Sekunde an on stage total fokussiert und gibt dir ein tolles Gefühl beim Spielen, eine große Inspiration!

Ich kann sagen dass es wirklich eine Riesenehre und Freude ist mit ihm auf der Bühne zu stehen. Er hat überhaupt keine Allüren,  liebt einfach Musik und das spürt man! In den USA würde man sagen „a real motherfucker“! Harald Weinkum und Thomas Kugi sind ebenfalls Ausnahmemusiker. Die beiden kenne ich  sehr lange und ich schätze ihre Musikalität, Einsatz und Freundschaft sehr. Diese Konstellation mit den verschiedenen Charakteren funktioniert bestens. Ich freue mich sehr auf die kommende Tour.  Das Vocal Mic für Kirk ist immer dabei, wahrscheinlich werden es zwei gesungene Stücke ins Programm schaffen. Ansonsten gibt’s alle Tunes von der „Big Land“ CD und ein, zwei Nummern aus der „ABQ“ Ära....


Achja, sollte es in den Clubs ein Piano/Keyboard geben, wird es von Kirk mit Sicherheit nicht verschont bleiben!


Du bist ja auch als Musiker für die "Dancing Stars" im Einsatz. Kannst du uns erzählen was da von dir genau verlangt wird? Wie hast du dich dafür vorbereitet (bitte korrigiere mich, wenn ich hier falsche Information habe)?


Die Informationen sind richtig. Ich bin seit Staffel sieben dabei. Wir haben soeben die achte Staffel mit zwölf Sendewochen beendet. Hier zählt Vielseitigkeit, Zuverlässigkeit und Teamgeist. Bei DS sollte man stilistisch schon erfahren sein. Hier muss man in kürzester Zeit Pop/Rocksongs, Jazzstandards, Walzer, Discotunes, Surfmusic,etc.. abrufen. Du musst auf dem Punkt da sein! Im TV auf Sendung, da hast du nur eine Chance. Es ist übrigens von Vorteil wenn man gut vorbereitet erscheint, da es manchmal in den Proben doch recht schnell geht. Der Job vereint eigentlich alles wofür ich mich immer vorbereitet habe. Gottseidank habe ich meine Chance bekommen. Ich muss sagen dass ich sehr dankbar für dieses Engagement bin – ist wirklich eine großartige Band, tolles Team und ein Superklima!

 


Wie siehst du die österreichische Musikszene, und da vor allem den Jazz-Bereich?


Ich finde die österreichische Musikszene hervorragend, leider viel zu wenig beachtet. Es gibt wirklich unglaubliche Musiker im Land. Allerdings Ist es sehr schwer hier von eigener, geschweige denn jazzverwandter Musik zu leben. Schwierig ist es auch wenn man keine Ausdauer hat. Manche Veranstalter können einen fast in den Wahnsinn treiben. Weiters möchte ich erwähnen dass ich zum Beispiel den Sinn des österreichischen Musikfonds überhaupt nicht verstehe. Vor allem wenn man seit Jahren professionell hochwertige Alben in Eigenregie macht und hier überhaupt keine Unterstützung bekommt. Wofür steht diese Institution dann? Die, die es brauchen werden jedenfalls nicht unterstützt!


Was könnte man in diesem Bereich machen, um mehr Impulse zu setzen?


Diese Frage kann ich dir leider nicht beantworten. Für meinen Teil mache ich einfach kontinuierlich mein Ding und hoffe, dass es sich finanziell irgendwie ausgeht und es anderen Leuten dabei gefällt.


Lass uns doch etwas über deinen Werdegang plaudern. Wie alt warst du, als du mit dem Musizieren angefangen hast?


Ich habe in etwa mit zehn Jahren begonnen, zuerst akustische Gitarre in der Musikschule, als mir aber dann mein Lehrer mit ungefähr dreizehn Jahren die Mollpentatonik zeigte, wusste ich was ich wollte!!


Gab es während deiner „Lehrjahre“ irgendeine besondere schwierige Phase, eine Fertigkeit/Technik, die du dir aneignen wolltest, die dich aber vor besondere Herausforderungen gestellt hat?

Eigentlich nicht – alles hat seine gewissen Schwierigkeiten, aber wenn man Ausdauer hat und fleißig ist lässt sich vieles bewerkstelligen...


Wenn man bei deinem Spiel genau hinhört, dann hört man durchaus auch mal den Rocker raus. Ein Eindruck der sich vor allem dann aufdrängt, wenn man eines deiner Live-Konzerte besucht. Was bzw. wer waren deine Einflüsse?


Meine Einflüsse waren bzw.sind: The Sweet, Kiss, AC/DC, Gary Moore, Edward Van Halen, Mike Stern, John Scofield, Pat Metheny, Wes Montgomery, George Benson,Scott Henderson, Frank Gambale, Wayne Krantz, Allan Holdsworth, Jeff Beck, Michael Brecker, Chick Corea, Brent Mason ... und einige mehr.


Du hast ja auch massig Erfahrung als Lehrer. Auf was legst du beim Unterrichten besonders wert?


Auf eine fundierte Basis und gutes Timing.


Kamen dir jemals Zweifel an deiner Berufswahl?


Nein.

 


Welchen Tipp hast du für junge Leute, die Ihre berufliche Zukunft als professionelle Musiker sehen?


Sie sollten sich genügend Zeit nehmen ihr Instrument zu lernen. Trotz der vielen Hilfsmittel die es heutzutage gibt, ist es harte Arbeit, die ihre Zeit erfordert. Kontinuität wird belohnt werden ...


Was hörst du zurzeit gerade? Gibt es jemanden (Musiker oder Band) die dich in letzter Zeit begeistern konnten?


Ich höre sehr viele verschiedene Sachen... eigentlich sehr viel Pop/Rockmusik, wie zum Beispiel BETH HART. Mein letztes Album, das ich gekauft habe ist die neue JOHN SCOFIELD „ Überjam Deux“. Im jazzigen Bereich finde ich zur Zeit JULIAN LAGE cool, WAYNE KRANTZ und SCOTT HENDERSON gehören zu meinen all time favourites.


Verrate uns doch bitte abschließend deine fünf Lieblingsalben.


Ich könnte dir mindestens 20 nennen.... aber ich versuche es auf 5 zu reduzieren...
TRIBAL TECH “Face First”
BRECKER BROTHERS “Straphangin’”
MICHAEL BRECKER “Don’t Try This At Home”
JEFF BECK “Wired”
JEFF BECK “You Had It Coming”
MIKE STERN “Upside Downside”
VAN HALEN - I, II, “Women And Children First”... ich schaffe es einfach nicht (es auf fünf zu begrenzen; lacht)

Vielen lieben Dank für das Interview. Wir wünschen viel Glück für die anstehende Tour!


Ich bedanke mich bei euch! Schön dass es das gibt!!!


www.gradwohl.at