ALEX MACHACEK - "FAT" Interview

 

Mit „FAT“, das für „Fabulous Austrian Trio“ steht, hat der 1972 geborene Jazz- und Fusion-Gitarrist ALEX MACHACEK eines der besten Jazz Fusion Alben des Jahres 2012 abgeliefert.  Spätestens seit dem Erscheinen von „FAT“ und einem Interview im amerikanischen Guitar Player Magazin ist Machacek auf der internationalen Jazzbühne kein Unbekannter mehr. „FAT“ ist das mittlerweile siebte Album nach dem im Jahre 2010 erschienen „24 Tales“. Und es ist sein bisher bestes. Lest dazu auch unsere Plattenkritik. Wir haben Alex interviewt und wollten mehr über seine Geschichte und den Entstehungsprozess zum neuen Album erfahren.

 


Lieber Alex, zu allererst einmal Gratulation zu deinem großartigen neuen Album "FAT" und deinem Interview im US-amerikanischen "Guitar Player". Es kommt schließlich nicht alle Tage vor, dass ein Gitarrist aus der Alpenrepublik von diesem Traditionsblatt interviewt wird. Wie sind denn die Reaktionen auf dein neues Album auf beiden Seiten des Atlantiks ausgefallen?


Bis jetzt bekam ich ausschließlich positive Rückmeldungen auf das neue Album. Sowohl Reviews als auch von meinen Kollegen.


Wenn ich richtig gelesen habe, hast du ja für den tollen Sound auf „FAT“ Komplimente von allerhöchster Gitarristen-Instanz und niemand Geringeren als "Allan Holdsworth" bekommen. Kannst du uns bitte was über den Aufnahmeprozess erzählen?

Wir verbrachten einen Tag im Studio in Wien und schauten darauf, dass wir genügend Material von Herbert hatten. Es gab zu diesem Zeitpunkt ein paar fertige Stücke, andere waren einfach Jams. Die Jams wurden dann von mir später editiert, also z.B. in eine Form gebracht und dann komponierte ich etwas dazu. Ich nahm alle Gitarren bei mir zu Hause auf und sendete das an Raphael, der alle Baesse ebenfalls bei sich zu Hause aufnahm.


Viele Soundpuristen schwören ja nach wie vor auf rein analoges Equipment. Du verwendest ja einen Fractal Audio Axe FX Ultra. Was gefällt dir am Fractal Axe FX denn am meisten?


Am meisten mag ich am AxeFX, dass es wirklich praktisch ist. Das AxeFX lässt sich per Software vom Computer Bildschirm aus programmieren (was wesentlich komfortabler ist, als das Mini Display am Gerät selbst) und es bietet eine sehr reichhaltige Palette an Sounds. Sicher wäre es super, all die Verstärker, die im AxeFX gemoddeled sind, tatsächlich zu besitzen, und dann noch einen perfekten Raum, die perfekten Micros und MicPres etc...


Entwickeln sich die Nummern bei dir aus Jams heraus, oder gehst du hier eher methodisch vor?


Manche Nummern sind ganz normal komponiert und andere sind einfach aus Jams entstanden. Ich sagte im Studio z.B: lasst uns eine “Ballade” improvisieren – und das wurde dann später der Song “Let’s Not Argue”. Der drum track ist original, alles andere wurde dann daheim dazu komponiert und overgedubbed. Das Gleiche passierte mit der Disco Polka. Ich wusste ungefähr, was ich vom Schlagzeug her wollte, erwähnte dann das Schlagwort “Disco Polka” und wir spielten einfach. Und mit so einem Schlagwort im Kopf spielt man dann eben auf eine bestimmte Art. Und danach bringe ich diese Jams in eine Form und komponiere dann in Ruhe etwas dazu.

Ich kenne Raphael Preuschl ja auch von seiner Tätigkeit mit Peter Rom. Ein toller Musiker, wie wir finden ... Kannst du unseren Lesern erzählen, warum deine Wahl auf den Bassisten Raphael Preuschl und den Schlagzeuger Herbert Pirker gefallen ist?


Raphael und Herbert sind ganz einfach ausgezeichnete Musiker! Ich kenne beide schon sehr lange und es hat mir immer großen Spaß gemacht mit ihnen zu musizieren. Die beiden spielen auf allerhöchstem Niveau und wir verstehen uns obendrein auch noch gut, was will man mehr??? Wir spielen schon recht lange zusammen und es lag einfach auf der Hand endlich eine CD aufzunehmen.


Uns interessiert vor allem auch dein Werdegang. Wie alt warst du, als du mit dem Musizieren angefangen hast?


Ich begann im Alter von 8 Jahren mit klassischer Gitarre.


Kannst du uns bitte kurz erzählen, welche Ausbildung du hast?


Nach den klassischen Gitarrenstunden, wuchs mein Interesse für Jazz und ich besuchte das Konservatorium der Stadt Wien. Dort studierte ich dann auch noch IGP für Jazz. Außerdem studierte ich 2 Semester am Berklee College of Music in Boston.


Wer hat dich am meisten beeinflusst? Was sind deiner Meinung nach Platten bzw. Künstler, die man unbedingt studiert haben sollte?


Joe Pass, Allan Holdsworth und Frank Zappa. Zum zweiten Teil der Frage: ich finde das kommt ganz darauf an, welche Musik einen interessiert.


Wie kam es dann zu deinem Umzug in die USA und zu deiner Lehrtätigkeit am Musicians Institute?


Ich zog 2004 nach Los Angeles. Damals war es für mich einfach Zeit für eine Veränderung und ich war schon ein paar Mal davor in LA, wo es mir sehr gut gefiel, also dachte ich e wäre einen Versuch wert. Also loeste ich in Wien alles auf und emigrierte. Der Job am Musician’s Institute: das war einfach, denn ich wurde angerufen, ob ich Interesse hätte dort zu unterrichten. Irgendjemand hatte mich empfohlen.


Jetzt träumen wahrscheinlich nicht wenige Musiker von einer professionellen Musikerlaufbahn in den USA. Ist hier Romantik angebracht? Wie stellt sich die Musikszene in Los Angeles für dich zurzeit dar? Ist es dort leichter möglich von der Musik zu leben?


Romantik ist ganz sicher nicht angebracht...ich kann mich nicht beschweren, es geht mir gut und ich habe genügend Arbeit, aber es wird einfach immer schwerer in dieser Branche – und zwar für alle. Illegale Downloads haben das ganze System ins Wanken gebracht. Es gibt prinzipiell weniger Budget fuer alles und man muss halt flexibel sein. Und es ist ganz sicher nicht leichter für Musiker in LA, ganz im Gegenteil. LA ist eine der wichtigen Musik-Hauptstädte wo eben “alle” sind und auch viele hinwollen um “es dort zu schaffen”...damit meine ich: es gibt hier definitv mehr Musiker als Arbeit...

Dich verbindet ja eine langjährige Freundschaft mit Terry Bozzio. Kannst du uns kurz erzählen, wie du Terry kennengelernt hast?


Eine ausführliche Antwort dazu findet man auf meiner Website:


http://alexmachacek.com/how-did-you-get-together-with-terry-bozzio/

 


GuitarMania ist ja ein Gitarrenfanzine. Gibt es einen Gitarristen von dem du glaubst, dass man - ausser dir natuerlich - noch viel hoeren wird?

Schwer zu sagen...

Abschließend noch eine Frage zu deinen Tourplänen. Wann können wir denn damit rechnen, dich wieder mal in der Alpenrepublik spielen zu hören?

Momentan wird gerade für Herbst geplant – mal sehen, ob genügend Gigs zustande kommen.

Vielen herzlichen Dank für das Interview. Wir freuen uns schon auf das nächste Gespräch mit dir, wenn wir unsere Kamera mit dabei haben. Alles Gute!

Ich bedanke mich!!!

www.alexmachacek.com

 

Alle Bilder © Alex Machacek.