Interview mit HENRIK FREISCHLADER




HENRIK FREISCHLADER ist das deutsche Äquivalent zu LENNY KRAVITZ. Kaum jemand, der dermaßen kompetent alle Instrumente eines Albums einzuspielen vermag. Mit "Night Train to Budapest" liegt uns das neue Studio Album des deutschen  Multi-Instrumentalisten, Sänger, und Songwriters vor.  Höchste Zeit, sich mit Henrik über die Aufnahmen und die anstehende Tour zu unterhalten. 

 

 

 

Irgendwo im Spannungsbereich zwischen Blues und Rock angesiedelt, kredenzt uns Henrik amtliche Blueskracher, und gefühlvolle Balladen, die allesamt Zeugnis von Henriks Meisterschaft auf der Gitarre ablegen. Geworden ist "Night Train to Budapest" eines der stärksten Blues-Rock Alben des vergangenen Jahres.


Geboren in Köln im Jahre 1982, hat sich der Musiker weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus eine solide Fanbasis auf den Bühnen Europas erspielt. Im März wird Henrik auf seiner Tournee auch zweimal in Österreich, nämlich in Salzburg und Wien, spielen. Darauf dürfen wir uns zu Recht freuen. (Alle Bilder  © Henrik Freischlader)

Sehr geehrter Herr Freischlader, lieber Henrik. Dürfen wir uns auf diesem Wege erlauben, ins informelle „Du“ Wort zu wechseln?

Na klar, kein Problem!

Wie haben gesehen, dass in Kürze die Tour zu deiner neuen Langrille “Night Train to Budapest” startet (siehe auch unsere Rezension des neuen Albums). Wie darf man sich die Vorbereitungen - musikalischer, körperlicher, seelischer Natur etc. – vorstellen?

Musikalisch haben wir uns beim CD Release schon eingegroovt; körperlich und seelisch wird es keine entspannte Vorbereitung geben. Ich komme wahrscheinlich direkt vom Studio in den Tourbus.

Stehst du viel mit deiner Band im Proberaum um die Songs einzustudieren?

Nein, überhaupt nicht, die Jungs sind ja Profis und haben sich schnell auf jedes neue Material eingestellt.

Wie sieht es mit der Setlist aus? Steht sie bereits fest, oder tüftelst du daran noch? Auch würde uns interessieren, ob diese im Laufe der Tour auch verändert wird?

Das kann gut sein, dass wir etwas verändern, wir wollen ein wenig auf Publikumswünsche eingehen und hatte im Vorfeld auch schon einige Anregungen dazu über Facebook erhalten. Das Publikum darf mitreden ☺ und als Zugaben gibt es auch verschiedene Variationen.

© Henrik Freischlader

Lass uns doch über das neue Album “Night Train to Budapest” reden. Kannst du uns kurz etwas zur Entstehungsgeschichte und zum Titel verraten?

In Budapest hat uns der erste Gig, den wir dort hatten, total geflasht. Die Leute haben uns so herzlich willkommen geheißen und waren so offen und begeisterungsfähig, dass da mittlerweile  Freundschaften entstanden sind und ich schon mehrere Male dort war – mit dem Night Train – eine sehr entspannte und schöne Art zu reisen. In der Schlafkabine mit der Gitarre auf dem Bauch sind dann die Ideen zu den verschiedenen Titeln des Albums entstanden.


© Henrik Freischlader


Wo hast du aufgenommen und wie lange haben die Aufnahmen gedauert?

Bei Martin Meinschäfer passte es diesmal terminlich nicht, da habe ich bei meinem Backliner aufgenommen, der sich mit einem kleinen Studio selbstständig gemacht hat. Die Zeit ist immer sehr schwierig zu planen, das wissen mittlerweile auch alle im Voraus, die mit mir arbeiten – mit der Kreativität ist es so eine Sache, man braucht plötzlich einen Offday oder zwei, um anschließend wieder voll konzentriert zu sein.

Wie LENNY KRAVITZ bist auch du dafür bekannt, ein Multi-Instrumentalist zu sein und die meisten Sachen selbst einzuspielen. Wie war das dieses Mal? Wie viel kommt von dir, und nach welchen Gesichtspunkten wählst du deine Mitmusiker aus?

Wenn ich mir vornehme selbst einzuspielen, brauche ich nur jemanden für die Hammond. Klavier war das einzige Instrument, an dem ich je Unterricht hatte, und prompt kann ich es heute am schlechtesten!

Bekommst du viel Feedback zu deinen Texten, die ja durchaus auch sozialkritisch sind?

Nein eigentlich nicht, zumindest nicht aus Deutschland, mehr aus dem Ausland. Sozialkritisch finde ich meine Texte selbst eigentlich gar nicht. Ich bin kein politischer Mensch, dazu fehlt mir der Durchblick und die Zeit, mich zu informieren. Was ich schreibe, entsteht immer aus der Sicht der eigenen Betroffenheit. Was ich wahrnehme, ist eine zunehmenden Entfremdung von allem Echten, Wahren, Wesentlichen.

© Henrik Freischlader


Uns würde auch interessieren, wie du aufgenommen hast (analog/digital), falls digital, welche DAW du verwendest? Insbesondere würde uns interessieren, welches Equipment bei der Aufnahme der Gitarren verwendest hast, und sie mikrofoniert wurden, um diesen fetten Ton hinzubekommen?

Also, da bin ich selbst ehrlich gesagt nicht so bewandert. Soweit ich weiß, haben wir digital mit Pro-Tools aufgenommen. Die Gitarren wurden mit div. SM-57 und Sennheiser MD-421 Mikrofonen abgenommen, plus etwas Raum natürlich – wie gesagt, das konnte ich beobachten ;-)

Nochmals zurück zur Tour Vorbereitung. Wir haben gesehen, dass Florian Jäger deine Gitarren für dich auf Vordermann bringt. Was wird dabei genau gemacht, und welche Teile nimmst du denn diesmal mit ‚On The Road‘?

Florian hat sich alle Gitarren mal genauer angeschaut, hauptsächlich waren eher Kleinigkeiten zu erledigen. Hier und da mal der Sattel aufgefeilt, Bünde abgerichtet, Intonation nachgestellt, etc. Das Hauptprojekt war die Neu-Lackierung einer 1965 Gibson Firebird, die ich auf der Tour bereits im neuen Finish mit dabei haben werde. Außerdem nehme ich die 1963 Strat, eine 1969 Telecaster und meine geliebte 1963 Gibson ES-345 mit auf Tour. Nicht zu vergessen die 1959 Makeover Les Paul von Florian Jäger.

 

© Henrik Freischlader



Welche Verstärker spielst du?

Da bin ich mit meinen verschiedenen Realtones, die ein Freund von mir baut, seit über 10 Jahren mehr als zufrieden!

Du bist ja bekannt dafür, nicht unbedingt viele Effektgeräte zu benutzen. Welche Teile schaffen es dennoch immer wieder auf dein Board - und warum?

Seit einigen Jahren habe ich einen RC-Booster auf dem Board, er klingt sehr natürlich und hebt das Verstärkersignal etwas an, ohne es zu verfälschen. Um zwischen mehreren Amps hin- und her zu schalten, schwöre ich auf die Switch-Boxen von Lehle, ein altes Vox Wah ist auch immer dabei und ab und zu benutze ich ein altes Fulltone Deja-Vibe. Von Zeit zu Zeit wechseln sich weitere Kandidaten immer wieder ab, aber das sind so die üblichen Verdächtigen :-)

© Henrik Freischlader


Seit einigen Jahren stellst du dein Kompositionstalent auch anderen Künstlern zur Verfügung (z.B. der kanadischen Künstlerin Layla Zoe und dem Saxophonisten und dem Sänger Tommy Schneller). Nach welchen Kriterien entscheidest du, welche Komposition für dich und welche für jemand anderen gedacht sind?

Die Songs schreibe ich erst kurz bevor es los geht und dann werden sie sozusagen maßgeschneidert. D.h. ich möchte mit den Stücken die Besonderheiten der Künstler hervorheben. Insofern bleiben sie nur auf dem Papier meine Stücke, und werden musikalisch später eins mit dem Interpreten. 

Kannst du uns auch erzählen, wie es zur Bekanntschaft, und in weiterer Folge auch Tour, mit JOE BONAMASSA gekommen ist?

JOE BONAMASSA ist für mich ein wichtiger Freund geworden. Er hat uns damals die Chance gegeben, mit ihm zu touren. Das war genau das, was wir zum damaligen Zeitpunkt brauchten, um den Schritt in Richtung eines breiteren Publikums tun zu können. Joe hat nicht vergessen, was B.B. KING für ihn getan hat, und fühlt sich jungen Talenten ebenso verpflichtet. Das finde ich großartig. Er ist ein klasse Typ und ein riesiger Gitarrist.

© Henrik Freischlader


Man hört ja immer wieder, dass es Support Bands nicht so leicht haben sollen. Hast du als Support auch einen guten Sound vom Mischer verpasst bekommen? Welches war denn dein außergewöhnlichstes Konzert?

Mit dem Sound war ich eigentlich immer zufrieden. Das außergewöhnlichste Konzert war sicher damals der Support von JOE BONAMASSA. Weil der frühe Zeitpunkt genial war, um ein größeres Publikum mit meiner Musik erreichen zu können, und die Bekanntschaft mit Joe führte zu etwas Bleibendem.

Es war natürlich auch eine große Ehre die Bühne mit B.B. King zu teilen, oder mit Johnny Winter, Derek Trucks und anderen großartigen Musikern, aber für mich persönlich war es ein seelenvoller Abend, als ich GARY MOORE in der Backstage persönlich kennen lernen durfte. 16 Jahre hatte ich ihn  angeschwärmt und es gab kaum einen Ton von ihm, den ich nicht kannte, und dann sein Support sein zu dürfen – das war unglaublich – ist es bis heute übrigens. 

Du hast auch ein Label - Cable Car Records – gegründet. Darf man fragen, warum du diesen Schritt gemacht hast, und, sagen wir mal, nicht die Nähe zu einem Major Label gesucht hast?

Damals war man froh und dankbar, mit Peppercake ein Label gefunden zu haben, aber ich will es mal meiner persönlichen Art und Weise kreativ zu sein zuschrieben, dass ein eigenes Label unabdingbar war.

Was kann/muss man tun, um in Zeiten von Online Streaming Diensten und Filesharing als Musiker (und Label-Boss) Geld zu verdienen?

Das wird schwer, aber die Kunst hat es ja sowieso schwer, zumindest die Vielfalt, das, was von unten wächst, hat Mühe an die Menschen zu gelangen. Ich habe noch kein Konzept, es ist ein schwieriges Umdenken, weil mir persönlich natürlich das physische Material CD oder LP sehr wichtig sind. Ich hänge am alt hergebrachten Material und kann nur hoffen, dass die Fans noch lange zweigleisig fahren wollen – uns kleinen Künstlern zuliebe.

© Henrik Freischlader


Last but not least, würde uns natürlich interessieren, wie du überhaupt zur Musik gekommen bist?

Sagen wir es mal so, ich hatte keine Chance, der Musik zu entkommen ☺ Spielzeuge etc. waren für mich immer nur interessant, wenn man einen Klang damit erzeugen konnte. Bei Kochtöpfen und Holzspielzeug klappte das noch ganz gut, alles andere wurde nicht angerührt. Meine Eltern waren natürlich auch sehr musikbegeistert, und es gab die wichtigsten Instrumente bei uns zu Hause. Meine frühe Kindheit war Musik. So ging es weiter. 

Welches sind die Alben, die dich am meisten beeinflusst haben, und die dir auch heute noch immer wieder gerne anhörst?

An aller erster Stelle: GARY MOOREs „After Hours“. Erst kürzlich habe ich dieses Album zusammen mit meinem Vater wieder auf voller Lautstärke gehört und es hat mich genauso umgehauen wie damals, als ich daraufhin zur Gitarre gegriffen habe; ich hatte Tränen in den Augen. Allerdings gibt es unendlich viele Alben, die ich immer wieder gerne höre. MICHAEL JACKSONs „Off The Wall“ läuft regelmäßig, D’ANGELO „Voodoo“, LAURYN HILL „The Miseducation of Lauryn Hill“, KEB’ MO’ „The Door“, LUCKY PETERSON „Double Dealin“. Das waren jetzt z.B. die letzten beiden Tage :-)
 
Herzlichen Dank fuer deine Antworten. Wir wuenschen dir fuer die kommende Tour Alles Gute, und freuen uns schon auf die Österreich Konzerte am 24. und 25. März in Salzburg und Wien (siehe auch unsere Konzertankündigung).
 
http://www.henrikfreischlader.de